Prickelnde Gefühle und knisternde Spannung: Ein knisternd-romantischer Liebesroman! Hvide Sande, ein beschaulicher Fischerort am weißen Sandstrand in Dänemark: Als der Schriftsteller Robin Falk einen Jungen in den Dünen findet und durch ihn die geheimnisvolle Esther North kennenlernt, gerät sein beschauliches Leben gehörig durcheinander. Eigentlich will er in seinem Strandhaus nur in Ruhe seine Bücher schreiben, doch die junge Frau zieht Robin magisch an. Trotz Esthers zögerlicher Zurückhaltung sucht er ihre Nähe. Erst durch ihren Sohn Marvin scheinen endlich die unsichtbaren Barrieren zwischen den beiden Erwachsenen zu fallen. Ganz scheint Esther sich nicht auf Robin einlassen zu können, denn ihre mysteriöse Vergangenheit bleibt ihm weiterhin verborgen.

 

Am weißen Strand

Genre: Romance
Verlag: Knaur feelings

ISBN: 978-3426215746

erhältlich als eBook und Taschenbuch


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Thalia

 

 

• Für feelings habe ich eine Kolumne zum Buch geschrieben. Lasst euch nach Dänemark entführen, an den weißen Strand von Hvide SandeDas Gefühl von zu Hause

 

• Auf LITERRA ist ein speziellesInterview zum Buch online gegangen.

 

 

 

Leseprobe

 

Die Halme des Strandroggens bogen sich im Wind und berührten fast den Boden. Meeresgischt lag wie Nebel über dem Strand. Die Feuchtigkeit wehte herauf bis zum Dünenkamm. Robin spürte das Salz auf seiner Haut. Die Böe zerrte so sehr an ihm, dass ihn das Gefühl überkam, fliegen zu können. Die Wellen schäumten auf den Sand, und das aufziehende Tief schob eine dunkelgraue Wolkenwand auf ihn zu.

Langsam stieg Robin die improvisierten Holzstufen hinunter, die Kletterleiter, die man in den Sand gelegt und oben am Hügel befestigt hatte. Auf der anderen Seite, die nun hinter ihm lag, war die Anhöhe nur mit Stroh ausgelegt, sodass man nicht im Sand abrutschte.

Der sonst weiße Strand von Hvide Sande wirkte heute grau vom Nieselregen. Nur wenige Menschen gingen heute am Meer spazieren, einige Hundehalter und Jogger ließen sich allerdings nicht abhalten.

Robin wandte sich um, ließ seinen Blick über die Gräser schweifen, hielt Ausschau nach seinem Hund, der gerade in den Dünen verschwand. Er pfiff kurz und lief dann weiter zum Strand hinunter, Jacky würde ihm folgen.

Nur wenig später preschte sein Wolf an ihm vorbei, das Fell voller Sand, mit hechelnder Zunge und ohne Frage gut gelaunt. Vor vier Jahren hatte Robin den Hund als Welpen zu sich geholt. Man versicherte ihm damals, dass Jacky ein kleiner, zierlicher Rüde bleiben würde. Robin bezweifelte das schon, seit der Hund ihm damals das erste Mal seine tapsigen Pfoten, die gar nicht zu seinem kleinen Körper passen wollten, auf den Oberschenkel gelegt hatte. Mittlerweile erinnerte Jacky an einen Wolf, und sein graues Fell wirkte stets so, als besäße Robin keine Hundebürste für ihn.

Schlank und schnell wie eine Gazelle raste Jacky über den Sand, ignorierte die zerbrochenen Muscheln, die Robin in die Fußsohlen stachen. Vom Sturm angespült oder von den Möwen achtlos fallen gelassen harrten die zerstörten Schalen im Sand aus, um arglose Touristen oder wahlweise ihn zu ärgern.

„Das nächste Mal nehme ich zumindest meine Sandalen mit“, murmelte Robin und tänzelte auf Zehenspitzen über die zum Teil spitzen Muschelreste. Er nahm es sich jeden Tag vor und ging dann doch barfuß zum Strand hinunter. Endlich spürte er wieder bloßen Sand unter den Füßen und genoss die Kühle, die heute davon ausging. Jacky hatte längst Anschluss gefunden, tollte mit einem Terrier in den Wellen, die das Meer heute weit auf den Sand spülte.

Seit drei Monaten lebte er nun nahe dem Fischerort. An sein altes Leben in Deutschland wollte er zurzeit nicht denken. Hier in Dänemark am Meer fand er endlich wieder zu sich selbst. Auch wenn sich sein ursprünglicher Traum, vom Schreiben leben zu können, gerade anders entwickelte als erhofft.

Jacky lief viel zu weit ins Meer, und er pfiff den Hund zurück. Die Strömung trieb ihre fiesen Spiele bei diesem Wetter, und er wollte vermeiden, Jacky aus dem Wasser fischen zu müssen wie schon einmal. Der Hund reagierte und kam auf ihn zugelaufen. Liebevoll strich Robin ihm über das Fell und zeigte ihm an, dass sie Richtung Hvide Sande laufen würden.

Der Regen wurde stärker. Robin zog die Kapuze seiner Wachsjacke über. Er näherte sich den Wellen, hielt einen gewissen Abstand und konnte doch nicht verhindern, dass seine Hosenbeine umspült wurden. Ihn störte es nicht, Salzränder am Saum gehörten hier an diesem Ort einfach dazu.

Ein Blitz zuckte über den stahlgrauen Himmel. Der Donner ließ sich Zeit, der Wind hingegen nahm zu. Robin dachte an seinen Freund Mika. Besorgt kramte er sein Smartphone aus der Innentasche seiner Jacke, ignorierte die Tropfen, die das Display verschmierten, und tippte eine SMS.

Du bist doch heute nicht rausgefahren, oder?

Jacky drückte sich an sein Bein, zuckte zusammen, als ein weiterer Donner über den Strand hallte. Er legte dem Hund beruhigend eine Hand auf den Kopf und sah sich um. Die Gegend leerte sich, die Menschen flüchteten. So idyllisch dieser Ort sein mochte, es war die Nordsee. Bei diesem Wetter konnte sich das Meer in ein wildes Untier verwandeln. Der Dünenkamm war nicht umsonst so hoch gebaut. Überflutete Ferienhäuser wollte niemand.

Sein Handy klimperte, und es rutschte ihm fast aus der Hand, als er nachschaute, ob Mika zurückgeschrieben hatte.

Bin schon wieder an Land. Bist du am Meer? Wenn ja, komm weg da.

Die Nachricht beunruhigte ihn. Der Fischer wusste, wovon er sprach. Robin sollte sehen, dass er mit dem Hund zurück in die sicheren Dünen kam.

„Komm, Jacky. Ab nach Hause.“

Eine Windböe stieß ihn regelrecht um. Robin landete im Sand, fluchte, weil das Smartphone ihm aus den Händen glitt. Hastig rappelte er sich auf, nahm das Gerät an sich und verbarg es wieder in der Tasche. Jacky war vorgerannt, wartete nun ungeduldig, dass er ihm folgte.

Robin warf einen Blick zurück. Die Wellen stiegen, selbst die Möwen flogen nicht mehr, ihre Schreie verstummten. Der Himmel wirkte wie eine Bedrohung.

Rasch stieg Robin die improvisierten Stufen hinauf und rutschte, trotz des Strohs, auf der anderen Seite hinunter. Dennoch lächelte er, als sein Blick das grüne Blockhaus traf, das er sein Eigen nannte. Es schmiegte sich an den Dünenhügel und barg alte Erinnerungen. Früher hatte das Haus seinen Eltern gehört, aber die unternahmen nicht mehr so weite Reisen. Nun gehörte ihm dieses Kleinod am Meer. Es verkörperte seinen Traum so sehr, dass er weiterhin daran festhielt, auch wenn sein jetziger Beruf ihm eher einen Hungerlohn einbrachte.

Ob er den Sturm in die Geschichte einbauen sollte? Vielleicht …

Das Wetter trieb ihn in das Häuschen, und er atmete erleichtert auf, als er die Eingangstür hinter sich schloss. Rasch rief er den Hund zu sich, der gerade auf die Couch springen wollte.

„Erst unter die Dusche, mein Freund. So gehst du mir nicht auf die Polster. Du siehst aus wie ein Wolf, den man drei Wochen im Sand vergraben hat.“

Jacky himmelte ihn an, doch seine Stimmung sank merklich, weil Robin ihn am Halsband sanft ins Badezimmer dirigierte. Die Kälte des Meeres konnte diesem Hund nichts anhaben, er liebte den Fjord, Pfützen, Regen. Aber sobald er unter die Dusche sollte, benahm sich Jacky, als wolle man ihn foltern. Mit einem ergebenen Ausdruck ließ sich der Hund die Prozedur gefallen. Robin duschte ihn ab, rieb ihn einigermaßen trocken und entließ ihn, schlüpfte dann selbst aus den Sachen, an denen Sand und Salz klebten. Draußen heulte der Sturm um die kleinen Häuser. Robin hörte den Regen, wie er an die Glasfront des Wintergartens prasselte. Im Gegensatz zu dem Hund genoss er die heiße Dusche.

Plötzlich bellte Jacky, und es klopfte an der Tür. Fluchend drehte Robin das Wasser ab, schnappte sich ein Handtuch und ging zum Eingang. Mika stand tropfnass und mit einem frechen Grinsen da, drängelte sich an ihm vorbei. Sein Freund sah verwegen aus. Nasse Haarsträhnen hingen ihm in die Stirn, und seine letzte Rasur war mehrere Tage her. Er schüttelte sich wie ein Hund.

Robin sah ihn böse an. „Dem Hund hab ich das mühsam hier im Haus abgewöhnt, und du tropfst alles voll.“

„Ach komm. Geh und wasch dir den Schaum aus deinen Haaren und dann mach uns einen Kaffee.“

„Den Kaffee machst du!“ Er warf Mika ein Handtuch vors Gesicht und schlüpfte wieder unter die Dusche.

Als sich Robin das kurze Haar trockenrubbelte, zog verführerischer Kaffeeduft durch das Haus. Er ließ seinen braunen Schopf einfach feucht und zerzaust, zog sich seinen Jogger an, und legte die schmutzige Kleidung vorerst in die Duschwanne.

Mika durchforstete gerade seine Küchenschränke und seufzte. „Keine Kekse?“

„Doch, aber vor dir versteckt.“

Robin langte auf die Schrankoberseite − er war einen halben Kopf größer als Mika − und brachte Schokoladenkekse zum Vorschein. Sein Freund schnappte sich die Dose und überließ es Robin, den Kaffee plus Tassen mitzubringen.

„Was treibt dich denn bei dem Wetter nach Årgab?“

Der kleine Vorort von Hvide Sande war etwas außerhalb, mitten in den Dünen, und bestand fast nur aus Ferienhäusern.

„Ich hab vielleicht einen Job für dich.“

Robin war ihm dankbar, dass er deutsch redete, sein Dänisch war immer noch etwas eingerostet. Aber hier verbrachten so viele deutsche Touristen ihren Urlaub, dass wohl alle Einheimischen ihre Sprache verstanden, die einen mehr, die anderen weniger. Mika konnte hervorragend Deutsch, weil sein Vater aus Hannover kam. Er reichte Mika eine große Kaffeetasse mit dampfendem Inhalt und setzte sich zu ihm.

„Wo?“, hakte Robin nach.

„Bei Nils im Restaurant.“

„Du weißt, dass ich beschissen koche, oder?“

Mika lachte laut auf. „Du sollst auch nicht kochen, sondern kellnern.“

Kellnern, dachte er. Wie in einem schlechten Film. Wobei es durchaus unangenehmere Arbeiten gab, als in einem schönen Hafenrestaurant den Touristen Essen zu servieren. Fische ausnehmen zum Beispiel oder Kisten stapeln oder Netze flicken.

 „Okay, das hört sich eigentlich gut an.“

„Kommst du heute Abend mit raus?“, fragte Mika und machte dazu seinen Unschuldsblick, auf den nur Jacky hereinfiel. Der Hund sprang an ihm hoch und leckte ihm übers Gesicht, sodass Robin amüsiert schnaubte.

„Deshalb bist du hier. Und ich dachte, du bist auf einen Kaffee hergekommen“, sagte Robin gespielt beleidigt.

„Ich trinke doch mit dir Kaffee.“

Robin verzog das Gesicht, rieb sich sachte über die leicht brennenden Augen. Hatten seine Kontaktlinsen zu viel Duschgel abbekommen?

„Mika, ehrlich gesagt ist mir heute überhaupt nicht danach, Fische zu töten. Außerdem, was ist denn bitte mit dem Sturm?“

Mika warf einen Blick aus der Fensterfront. Der Wind hatte feuchten Sand gegen das Glas geweht, und die Sicht nach draußen wirkte verschwommen.

„Der Sturm geht vorbei, zieht Richtung Festland. Aber heute würde ich nicht zum Fischen rausfahren. Ich war heute Nacht schon und hatte einen guten Fang.“

„Und was hast du dann mit mir vor?“, fragte Robin und zog die Augenbrauen zusammen.

„Du hast mir doch erzählt, dass du bei dieser einen Stelle ins Stocken geraten bist, oder?“

„Die habe ich bisher ausgelassen“, antwortete Robin und rutschte ein bisschen im Sessel herum.

„Und ging es da nicht um dieses Riff?“

Manchmal redete Robin mit Mika über das Buch, das er gerade schrieb. Sein Freund fand diese Art Job ziemlich faszinierend. Bei Robin war die Traumblase dagegen geplatzt, nachdem er die ersten Tantiemenabrechnungen gesehen hatte. Wer sollte davon leben? Nun ja, wie hatte Mika augenzwinkernd gesagt? „Musst nur genug Bücher schreiben, dann sammelt es sich.“

„Robin?“

Blinzelnd begegnete er Mikas Blick. „Ja, die Szene will nicht so, wie ich will.“

„Dann musst du ihr entweder deinen Willen aufzwingen, oder du gibst nach.“

„Wenn ich nachgebe, stürzt das den halben Plot um. Aber er will einfach nicht tot sein!“

Ein Lachen brach aus Mika hervor. Prustend hielt er sich die Hand vor den Mund, damit er keine Kekskrümel ausspuckte. Er wischte sich anschließend über die Bartstoppeln. „Hat er auch einen Namen?“

„Jeff. Er ist eigentlich nur eine verflixte Nebenfigur, die gefälligst ertrinken soll. Aber der verdammte Kerl spukt in meinem Kopf herum und hangelt sich jedes Mal wieder aufs Riff, wenn ich versuche, über die Szene nachzudenken.“

„Hast du mal überlegt, ob er seinen Tod nur vortäuscht?“

„Und dann kommt er zum Schluss wie ein Springteufel aus der Torte hervor?“

„Na ja, so in etwa“, sagte Mika mit einem Grinsen.

„Aber was hat das mit der Bootstour zu tun?“

„Aaach, Robin, ich habe einen Kutter, kein Boot.“

„Irgendwann lerne ich es“, sagte Robin mit gespielt zerknirschtem Ausdruck.

„Es gibt da einige Felsen, nicht ganz ein Riff, aber haarig genug, dass man als Fischer aufpassen muss. Vielleicht hast du ’ne Idee, wenn wir da mal hinfahren.“ Der Schalk saß ihm nun regelrecht im Nacken. „Du könntest mal reinspringen und gucken, ob man sich auf so glitschige Felsen überhaupt retten kann.“

„Du suchst also wieder ein Abenteuer“, erkannte Robin belustigt.

Sein Freund war ein ruheloser Pirat, wenn es um seine Freizeit ging. Er liebte alles, was auch nur entfernt verboten oder schwierig erschien. Dennoch war Mikas Vorschlag scherzhaft gemeint, Robin sah es an seinem Gesichtsausdruck. Aber manchmal musste man verrückte Dinge tun, um ein Buch wirklich authentisch schreiben zu können. Er dachte nach. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Du hast nicht zufällig einen Neoprenanzug für mich?“

 

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© Tanja Bern