Der Streetworker Joshua Benning hat von Kindheit an übersinnliche Fähigkeiten. Ermordete Opfer offenbaren sich ihm, was ihn schon früh inoffiziell mit der Polizei zusammenbrachte. Erich Salberg, Leiter in den Ermittlungen mehrerer Mordfälle, zieht Joshua schließlich hinzu, doch der hiesige Fall bringt den jungen Mann an seine Grenzen. Wer tötet im Ruhrgebiet und in Joshuas unmittelbarer Nähe junge Frauen? Dieses Mal können ihm die Geister nicht helfen. Warum nicht? Also begibt er sich mit der Polizistin Lea Schmidt auf die Spur des Mörders. Schaffen sie es, ihn tatsächlich aufzuhalten, oder entkommt er wieder?

 

 

Ruf der Geister
Genre: Mystery-Crime
Ashera Verlag(?)
ISBN: 

erhältlich als eBook

 

 

 

 

• Aufgrund einer  Aktion auf LITERRA gibt es hier grafisch gestaltete Leseproben des Buches (alte Auflage), mit Grafiken von Crossvalley Smith. Klickt einfach auf die Bilder:

 

 

• Hier plaudert Joshua in einem Interview einiges über mich aus   → susannamontua.de

 

•  Ein ausführliches Interview über das BuchLITERRA


• Hier findet ihr eine Kolumne von mir über die Entwicklung und Recherche des Buches  Buchrecherche "Ruf der Geister"

 

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•  Hier kann man zwei Prologstorys auf LITERRA lesen

Fesseln der Finsternis
Nicht eine Träne

 

Romankulissen

(Gelsenkirchen und Umgebung)

 

MÖRDER AUF PAPIER

 

Wolken verhüllten den Mond. Die Dunkelheit war kaum zu durchdringen, nur die Umrisse hoher Bäume hoben sich wie ein schwarzer Scherenschnitt von der Umgebung ab. Tief in seinem Inneren hörte Joshua ein Lied, das von dunklen Schatten erzählte. Ein Schrei durchbrach die Stille. Seine Beine schienen wie festgefroren.

Der Umriss eines Mannes näherte sich und eine Fremde erschien vor ihm, ihr Gesicht war gezeichnet von Schrecken und Angst. Überall war Blut! Die Augen der Frau schauten ihn an, sie streckte Hilfe suchend die Hand nach ihm aus. Joshua konnte sie nicht erreichen und der Song war erschreckend real zu hören. Die Sängerin sang von einem Weg ohne Wiederkehr …

 

Joshua schreckte aus dem Schlaf und bemerkte, dass sein Handy rücksichtslos das Lied Für immer der Band Eisblume spielte. Verschlafen griff er zum Telefon.

„Was is‘ denn?“, nuschelte er.

„Josh? Hier ist Erich. Es tut mir leid, dass ich dich geweckt habe, aber wenn es nicht so dringend wäre …“

„Schon gut.“

„Kannst du nach Duisburg kommen?“

Sein Blick fiel auf die Uhr, es war 3:57. „Jetzt?“

„Wenn möglich. Wir können die Leiche nicht länger hier liegen lassen.“

„Oh … okay. Wo?“

„Komm zum Hauptbahnhof. Wir sind nicht zu übersehen.“

„Ja, gut.“

Joshua legte das Handy beiseite. Auf eine Art war er dankbar, dass Erich ihn aus seinem düsteren Albtraum geholt hatte, andererseits schien ein neuer in Duisburg auf ihn zu warten. Warum ließ er sich nur immer wieder darauf ein? Aber Erich war ein langjähriger Freund seines Vaters und Joshua wusste, dass er dem Kommissar helfen konnte, auch wenn dies eigentlich nicht seine Aufgabe war.

Die Stimme der Sängerin Ria Schenk ging ihm nicht aus dem Kopf. Gedanklich hörte er noch immer die Zeilen, die vom Weg ohne Wiederkehr erzählten. Fröstelnd kroch er aus dem Bett und tastete sich durch das dunkle Zimmer. Er hasste Licht, wenn er noch nicht wach war. Erst die gedämpfte Lampe im Bad vertrieb die Finsternis in der Wohnung. Joshua sah in den Spiegel. Seine rechte Gesichtshälfte sah regelrecht zerknittert aus, da er auf einigen Falten im Kissen gelegen hatte.

Er schaute auf sein welliges Haar. „Ich seh‘ aus wie’n Wischmopp“, murrte er. Die hinteren Strähnen hingen ihm fast bis auf die Schultern, dennoch konnte er sich nicht zu einem Friseurbesuch aufraffen. Mit einem Seufzen schlüpfte er aus seinem Schlafanzug und ging unter die Dusche.

Eingemummt in einen dicken Wintermantel, stieg er später in seinen Opel Corsa und fuhr Richtung Duisburg. Auf der Autobahn befanden sich nur vereinzelte Fahrzeuge, denn der Berufsverkehr startete noch nicht so früh. Die Heizung blies ihm kalte Luft ins Gesicht und Joshua fröstelte. Genervt schob er die Lüftungsschlitze nach oben und wartete sehnsüchtig, dass endlich der Motor warm wurde und die Klimaanlage griff.

Was würde ihn dieses Mal erwarten? Natürlich eine Leiche, dachte er spöttisch.

Nach einer Weile bog er in die Ausfahrt nach Duisburg und hielt sich an die Schilder, die ihn zum Bahnhof führen würden. Er parkte schließlich direkt davor. Zwei Streifenwagen blockierten den Haupteingang und das Blaulicht flackerte über den Platz. Mit einem mulmigen Gefühl stieg Joshua aus und steuerte die Pforte an.

Der Polizist sah ihm entgegen und schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, der Bahnhof ist gesperrt.“

„Ich weiß, Kommissar Salberg wartet auf mich“, erwiderte Joshua.

„Herr Benning?“

Joshua nickte und hielt ihm in weiser Voraussicht seinen Personalausweis vor die Nase.

„Gehen Sie durch. Sie können den Tatort nicht verfehlen.“

Im Bahnhof fielen ihm die rot-weißen Absperrbänder auf. Zwei Polizisten standen zusammen und unterhielten sich mit einem Passanten, der kreidebleich an einer Wand lehnte. Joshuas Herz begann, wild gegen seine Brust zu schlagen. Als er das Blut sah, verharrte er, sein Inneres weigerte sich weiterzugehen. Wie in dem Traum schienen seine Beine ihm nicht zu gehorchen. Aber das mussten sie auch nicht …

Der Geist der ermordeten Frau stand vor ihm. Wut und Angst strömten Joshua entgegen und er konnte nicht anders, als auf all das Blut zu starren, das sich auf ihrer Kleidung ausgebreitet hatte. Ihre Kehle war aufgeschlitzt, trotzdem sah sie ihn mit lebendigen blauen Augen an. Der Bahnhof schien im Nebel zu verschwimmen.

Joshua realisierte nur noch den Geist. Im Bruchteil einer Sekunde blitzten ihre letzten Erinnerungen durch ihn. Er zuckte zusammen. Das Bild des Mannes, der sich über sie beugte und ihr das Messer an die Kehle setzte, brannte sich in seine Gedanken. Als er ihren Schmerz spürte, wich er mit einem Schrei zurück.

„Geh!“, zischte er.

„Hilf mir!“, schrie sie verzweifelt in seine Gedanken.

Doch Joshua war nicht Melinda Gordon aus der Fernsehserie „Ghost Whisperer“.

„Ich … ich kann nicht.“

Er sah, wie jemand neben der Frau erschien. Eine Gestalt, deren Gesicht er nicht ausmachen konnte. Dann war sie fort.

„Josh? – Himmel, Joshua!“

Wie angewurzelt stand Joshua da und hielt sich die Kehle. Er blinzelte und bemerkte den besorgten Blick des Kommissars.

„Ich muss wohl nicht fragen, ob du sie gesehen hast?“

Joshua war übel, er musste aus diesem Bahnhof raus.

„Erich … ich muss hier weg. Ich hab gesehen, wie er aussieht, ich … ich zeichne es dir auf, wie immer, ja?“

Das Gesicht des Kommissars war von tiefer Sorge gezeichnet. „In Ordnung. Tut mir leid, dass ich dich da reingezogen hab.“

Joshua winkte ab und flüchtete aus dem Bahnhof. Er blieb eine Weile in seinem Wagen sitzen, um sich zu beruhigen. Mit beiden Händen fuhr er sich über das Gesicht, nahm einen Kaugummi und schaltete das Radio ein, um auf andere Gedanken zu kommen.

Zurück in seiner Wohnung konnte er nicht anders und griff zu Block und Bleistift. Er hatte Zeichnen nie gelernt, konnte es trotzdem recht gut, auch wenn sich sein Talent auf Porträts beschränkte. Am liebsten hätte er sich ein großes Glas Wein eingegossen, doch er musste in einer Stunde im Büro sein. Also versuchte er, das Bild des Mörders ohne Alkohol heraufzubeschwören.

Ihm lief ein Schauer über die Haut, als er sich in die Erinnerung fallen ließ und das Messer, das der Frau die Kehle aufgeschlitzt hatte, an seiner eigenen Kehle spürte. Er wischte das Gefühl fort und griff nach seinem Stift. Mit sicheren Handgriffen zeichnete Joshua das Gesicht des Mannes und fürchtete sich hinterher selbst vor dessen grausamen Ausdruck. Rasch scannte er das Blatt ein und schickte Erich die Zeichnung per Mail. Das Original trug er in die Küche, hielt es über den Spülstein und zündete es an.

Insgeheim dachte er, dass man den Mann genauso brennen lassen sollte, gleichzeitig erschrak er über seine Gedanken. Joshua starrte auf das züngelnde Blatt. Er hatte den Mörder auf Papier gebannt und nun besaß er die Macht, ihn zu vernichten – wenigstens auf diese Art.

Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er keine Zeit mehr für ein Frühstück hatte. Rasch zündete er sich eine Zigarette an, um seine zerrütteten Nerven zu beruhigen. Er rauchte nicht regelmäßig, aber in diesem Moment brauchte er das Nikotin. Alles andere musste warten.

 

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© Tanja Bern